Mandanindianer Taucha
 
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Mandan - Kurzer historischer Überblick

Entlang des Missouri finden sich auf einer Strecke von mehreren 100 Meilen archäologisch fassbare Funde, die der Mandankultur zugeschrieben werden. Sie zeigen, dass sich diese Kultur über mehr als 1000 Jahre zurückverfolgen lässt.
Erste Kontakte zu Europäern hatten die Mandan wahrscheinlich in der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts. So stammen die ersten schriftlichen Aufzeichnungen, die sich auf die Mandan (möglicherweise aber auch auf die Hidatsa) beziehen von Pierre Gaultier de Varennes de la Verendry (1738), einem französischen Pelzhändler.
Durch Krankheiten, besonders um 1781 die Pocken und durch Angriffe vor allem ihrer nicht sesshaften Sioux-Feinde wurden die Mandan in den folgenden Jahren stark dezimiert.
Die Zahl ihrer Dörfer sank von 6, wie von la Verendry angegeben auf 2, wie von Lewis und Clark 1804 (Expedition, die 1804/5 bei ihnen überwinterte) vorge-funden. Außerdem waren sie den Missouri flussaufwärts gewandert. Auch die Forschungsreisenden, Berichterstatter und Maler George Catlin (1832) und Maximilian Prinz zu Wied / Karl Bodmer (1833/34) fanden nur noch 2 Dörfer, Mih-tutta-hang-kush und Ruhptare vor.
Sie bestanden aus runden Erdhütten.    Lediglich die Zeremonialhütte am Dorfplatz war rechteckig und hatte eine abgeflachte Vorderseite.
   
Siedlungen der Mandan und Hidatsa
zur Zeit des Besuchs von
Maximilian Prinz zu Wied 1933/ 34
Mih-tutta-hang-kush  
Im Jahr 1831 wurde nahe dem größten Dorf der Mandan Mih-tutta-hang-kush der Handelsposten der American Fur Company „Fort Clark“ errichtet. Dies unterstrich die Bedeutung, die dieser Ort als Handelsplatz für die autochthone Bevölkerung schon immer gehabt haben dürfte.
Mih-tutta-hang-kush (im Hintergrund) gemalt von Karl Bodmer, der Maximilian Prinz zu Wied auf dessen Reise und beim Besuch des Mandandorfes begleidete (1833/ 34)
 
Im Jahr 1837 wurden die Mandan erneut von einer Pockenepidemie heimgesucht, die den größten Teil von ihnen tötete. Die Angaben über die Zahl der Überlebenden differieren. Sie dürfte zwischen 150 und 250 Personen liegen. Ihre Zahl vor der Pockenepidemie von 1837 lag wohl etwa bei 1600 Personen. 1838 zogen die Arikara, caddosprachige Nachbarn und zeitweise Feinde der Mandan in ihrem größeren Dorf ein, wo sie mehrere Jahre lang lebten. Die überlebenden Mandan waren geflohen. Die Angaben in der Literatur über den Verbleib dieser Personen sind nicht einheitlich und die Tatsachen wohl auch nicht eindeutig zu ermitteln. Für kurze Zeit nach 1837 muss es noch ein kleines unabhängiges Mandandorf gegeben haben, welches die frühere Lebensweise aufrechtzuerhalten versuchte. Der größere Teil ging aber wohl zu den Hidatsa, ihren früheren unmittelbaren Nachbarn, einige blieben bei den Arikara. 1845 wurde in der Nähe der Handelsstation Fort Berthold das Dorf Like a Fishhook gegründet, in welchem die Überlebenden der Katastrophe, zunächst wohl Mandan und Hidatsa, ab 1862 auch Arikara gemeinsam lebten. Keine dieser Gruppen war nach dem Ende der Epidemie in der Lage als selbstständige Einheit weiterzuexistieren. Auch in den folgenden Jahren hatten die Überlebenden der Katastrophe von 1837 immer wieder unter Krankheiten und Überfällen zu leiden (z.B. um 1850 die Cholera und 1856 erneut die Pocken). Dennoch bemühten sich diese wenigen Überlebenden um Bewahrung ihrer Kultur. Der Vertrag von Fort Laramie von 1851 legte auch die Grenzen des Gebietes der Mandan, Hidatsa und Arikara fest. Als Gegenleistung für Landabtretungen erhielten sie nun vertraglich zugesicherte Rationen an Nahrungsmitteln sowie Geräten und Werkzeugen. Deren ordnungsgemäße Lieferung konnte jedoch nicht garantiert werden. Dennoch führte der Teufelskreis aus schwindenden eigenen Ressourcen (z.B. Rückgang des Jagdwildes), weiteren Landverkäufen und steigendem Einfluss der amerikanischen Regierung und ihrer Beauftragten immer mehr in die Abhängigkeit.
Das Leben auf der Reservation, die 1870 gegründet wurde, die Ausrottung der Büffel sowie die Parzellierung des Landes brachten dann weitere erhebliche Veränderungen im Stammesleben mit sich. So endete die zentrale und bedeutendste Zeremonie der Mandan, die Okipa, um 1890. Das Christentum verdrängte allmählich die traditionelle Religion, die traditionellen Erdhäuser wurden durch Blockhäuser ersetzt und die traditionelle wich der europäischen Kleidung. Durch geschickte Maßnahmen der Regierung wurde die Fläche der Reservation in den Folgejahren dann immer weiter verkleinert. Dennoch hatten sich entlang des Missouri eigenständige Gemeinschaften entwickelt, die unter veränderten Bedingungen eine Neuorientierung gefunden hatten. So besaßen die Familien Rinder und Pferde und in allen Ansiedlungen befanden sich große Gärten. Es bestanden enge soziale Beziehungen.
  Durch den Bau der Stauanlagen am Missouri um die Mitte des 20. Jh., entgegen den massiven indianischen Protesten, erfuhr die Fort Berthold Reservation tief greifende Veränderungen, da große Teile der Reservation überschwemmt wurden. Ihre Bewohner mussten hilflos mit ansehen, wie Teile ihrer Geschichte im Sinne des Wortes „untergingen“. Auch das Dorf Like a Fishhook, was bis etwa Mitte der 80er Jahre des 19. Jhd. bewohnt wurde, wurde überflutet.
Überflutetes Gebiet durch den Missouri-Staudamm innerhalb der Grenzen der Mandan/ Hidatsa/ Arikara Reservation

Das Staudammprojekt diente dem Zweck der Stromgewinnung und dem Schutz der flussabwärts liegenden Städte. Allerdings konnten dennoch einige historische Stätten bewahrt werden. Der Platz, an dem Mih-tutta-hang-kush (Matotonha/Mitutanka) und das angrenzende Fort Clark standen, wurde nicht überflutet, sondern unter Denkmalschutz gestellt. Auf dem Gelände von Ruhptare steht heute ein Elektrizitätswerk.
                                           Text: Gabriele Giel